Das Liuzu-Kloster(六祖寺)


da Das Liuzu-Kloster ist eines der bekanntesten buddhistischen Klöster in China und weltweit, denn es steht mit der Tradition des in China verwurzelten Chan – bekannt durch das japanische Zen – in einer engen Verbindung. In den Bergen der Zhenshan-Region nahe der südchinesischen Stadt Sihui gelegen, ist das Kloster Anziehungspunkt für zahlreiche Buddhisten aus dem In- und Ausland. Es geht auf die Gründung der „Klause des Sechsten Patriarchen“ (Liuzu’an 六祖庵) des Chan-Buddhismus zurück. Denn an diesem Ort hat sich während der Tang-Dynastie vor mehr als 1300 Jahren Meister Huineng (慧能, 638-713) für 15 Jahre aufgehalten, nachdem er vom Fünften Patriarchen Hongren (弘忍, 601-675) die Übertragung des Dharma erhalten hatte. Von diesen Hintergründen wird im berühmten „Plattform-Sutra des Sechsten Patriarchen“ (Liuzu tanjing 六祖坛经) berichtet,s seither als Klassiker des Chan-Buddhismus gilt. Auch wenn sich noch an anderen Wirkungsstätten des Huineng buddhistische Klöster befinden, ist nur das Liuzu-Kloster (wörtl. „Kloster des Sechsten Patriarchen“) nach ihm benannt. Auf Huineng beziehen sich dort seither die nachfolgenden Generationen.

Nachdem die Klosteranlage zuletzt in großen Teilen verfallen war, erfolgte ein umfassender Neubau in den Jahren 1997-2001. Weitere Bauten, wie zum Beispiel ein Retreat-Zentrum und eine Terrasse, auf der acht Steinpagoden die Lebensstationen des Sechsten Patriarchen abbilden, kamen in den letzten Jahren dazu.

Als einer der jüngsten Äbte Chinas übernahm Meister Dayuan (大愿) die Leitung des Liuzu-Kloster-Neubaus und seiner Wiederbelebung.

Seitdem ist das Liuzu-Kloster im In- und Ausland aktiv und bietet einer breiten Öffentlichkeit systematische buddhistische Einführungs- und Meditationskurse an. Einer besonderen Beliebtheit bei den Anhängern erfreut sich die akupunktur-geförderte Meditation, die die heilenden Aspekte von Akupunktur und Moxibustion mit der buddhistischen Meditation verbindet. Basierend auf ihren theoretischen Grundlagen lassen sich hier praktische Erfahrungen sammeln, die der Überwindung körperlicher Barrieren dienen und zur Erkenntnis von der wahren Natur der Leere allen Seins beitragen, wie sie der Buddha einst gelehrt hat.

Für die Vipassana Meditation bietet das Kloster regelmäßig 10-Tages-Retreats an. Pro Retreat werden hier bis zu 100 Teilnehmer/innen in intensiver Praxis angeleitet. In diesen Retreats verbindet das Kloster die südostasiatische Meditationstradition mit Elementen des in China überlieferten Chan-Buddhismus.

Darüber hinaus pflegt der Abt Dayuan auch die tantrische buddhistische Tradition innerhalb ihrer chinesischen Überlieferung, die auf die Tang-Dynastie des 7.-10. Jahrhunderts zurückgeht Er selbst ist spezialisiert auf die Medizin-Buddha-Praxis (唐密药师法门).

Mittlerweile gehören über 50 Klöster und Zentren mit ca. 1200 Mönchen und Nonnen sowie weltweit ca. fünf Millionen Anhängern der Liuzu-Klostergruppe an.

Das Liuzu-Kloster ist für seinen Dialog mit den verschiedenen buddhistischen Traditionen bekannt und pflegt einen weltweiten Austausch. Genauso setzt es sich auch für den Dialog mit akademischen Institutionen ein und

arbeitet in verschiedenen buddhismuskundlichen und interdisziplinären Bereichen mit Universitäten und Hochschulen im In- und Ausland zusammen, wie zum Beispiel der Qinghua-Universität, Wuhan-Universität, Chinese University of Hongkong und der University of British Columbia.

So stellt das Liuzu-Kloster u.a. über den eigenen „Tianzhu Culture Charitable Fund“ im Rahmen verschiedener Programme jungen Menschen auf der ganzen Welt Stipendien zur Verfügung, die in China die chinesische Sprache und den chinesischen Buddhismus studieren möchten.

Im Sommer des Jahres 2017 weihte der Abt Dayuan den „Liuzu Tempel Deutschland“ in der Nähe von Göttingen ein. Ziel ist der Aufbau des größten Zentrums für chinesischen Buddhismus in Europa, an das weitere Zentren in anderen Ländern angebunden werden sollen. Aus organisatorischen Gründen ist zunächst nur eine eingeschränkte Nutzung dieses Zentrums möglich.